Eltern im Wahn

„Sie haben ein Problem mit den Kindern? Dann sollten sie erst die Eltern kennenlernen!“ – So ging eine Textstelle aus einem witzigen Podcast im Internet, der die Ungeheuerlichkeiten an Schulen in Deutschland aufs Korn nahm. Und genau so einen Vertreter habe ich erlebt. Nennen wir ihn „Herrn K.“.

Herr K. war Schulelternsprecher geworden (vermutlich weil kein anderer den Job machen wollte) und fühlte sich in der Rolle wichtig. Sehr wichtig. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, einem sehr umgänglichen Menschen, der sich eher Zurückhaltung bei seiner Amtsausübung auferlegte und der sehr vernünftig war, war Herr k. zeitweise jeden Tag in der Schule zu sehen um sich wichtig zu machen. Vermutlich hatte er sonst nichts zu tun.

Eine Tages begab es sich, dass ich mit meiner Klasse eine Fahrt an die Ostsee plante. Es waren 5 Tage, als Begleitlehrerin war meine Frau vorgesehen. Aus den Reihen der Elternschaft wurde nun unverschämterweise geäußert, man habe den Verdacht, dass es sich bei der angedachten Klassenfahrt vordringlich um „einen privaten Familienausflug der Eheleute B.“ handele. Der Elternsprecher, Herr K., trug entsprechend beim Schulleiter M. vor, welcher mich zu einer entsprechenden „Stellungnahme“ aufforderte, ansonsten könne die Fahrt nicht genehmigt werden.

Halten wir mehrere Dinge fest:

  • Der Elternsprecher K. handelte nicht nur unverschämt, übergriffig und vollkommen sinnfrei, alleine die vorgebrachte Unterstellung stellt die Unterstellung einer strafbaren Handlung (Vorteilsnahme) dar und ist daher selbst justiziabel.
  • Wer als Lehrer auf eine Klassenfahrt geht, steht i. d. R. den ganzen Tag „unter Strom“. Und das teilweise bis in die Nachtstunden. Von einem entspannten „Familienausflug“ ist das so weit entfernt wie der Herr K. von der Erbringung einer nennenswerten kognitiven Leistung.

Die Klassenfahrt hatte ich dann sofort storniert, denn derlei Unverschämtheiten ließ ich nicht unbeantwortet.

Damit war die Geschichte aber nicht zu Ende…

Die Klasse bettelte und wollte unbedingt auf die Fahrt gehen. Ich erklärte dann, dass das im Prinzip ginge (ich mochte die Klasse sehr gerne und es tat mir im Grunde leid, dass ich storniert hatte), wenn Herr K. sich schriftlich bei mir für die dargebotenen Unverschämtheiten entschuldigen würde. Statt sich aber nun wie ein normaler Mensch zu verhalten, sein Fehlverhalten einzusehen und den Schaden durch einen Entschuldigungsbrief wieder gerade zu biegen (wozu es indes nur etwas Anstand und ein klein wenig menschliche Größe erfordert hätte), holte Herr K. nun zum großen Schlag aus. Oder zumindest zu dem, was er dafür hielt.

Laut Aussage des Konrektors G. stand er nämlich eine Woche lang jeden Tag im Rektorat und forderte meine „Absetzung“ als Klassenleiter. Bei Schulleiter M. stieß das Ansinnen auf durchaus wohlwollenden Interesse. Nur war die Frage, wie bekommt das hin ohne dass es formale Fehler gibt?

Die Lösung war einfach: Man ließ einfach die Klasse entscheiden. Neudeutsch formuliert mit einem „Incentive„. Sie wurde vor die Wahl gestellt: Entweder es gibt eine Klassenfahrt und dann aber auch einen neuen Klassenlehrer oder sie behalten mich und die Fahrt fällt dann eben aus. Ich war dann doch einigermaßen verblüfft über die perfide Art dieses Mobbings. Wie gesagt: Was man sich heute als Lehrer in einem öffentlichen Schulsystem bieten lassen muss, ist schon starker Tobak.

Ach ja, die Klasse hatte sich für mich entschieden, der Versuch ging also ordentlich in die Hose. Kann ja mal passieren. Wir sind dann später doch noch nach Sylt gefahren.

 

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten