Die Schulleitung – Mobbing+Boss=Bossing

Das Schulwesen ist Teil des Beamtenapparates. Beamtenapparate sind streng hierarchisch gegliedert, die untere Ebene hat zu tun, was die obere anordnet. Wer beim Militär war, kennt das schon. Das in Wirtschaftsunternehmen bekannte Thema „flache Hierarchie“ existiert hier schlechterdings nicht. Auf den verschiedensten Ebenen hat man Personal eingebaut, dessen vordringliche Aufgabe es ist, ihre Sessel in den Amtsstuben warm zu halten (wozu auch das Schulleiterzimmer zu zählen ist) und „Vorgänge“ vom Eingangs- in den Ausgangskorb zu befördern. Und nicht wesentlich mehr. Man sollte als „einfacher Lehrer“ in keinem Falle davon ausgehen, dass jemand sich dort für die Belange des Untergebenen interessiert. Das kann man vergessen. In der Schule ist der höchste Vorgesetzte der Schulleiter. Ein Art Gott. Und bzw. oder einfach nur eine schrecklich verzerrte Karikatur eines Pädagogen. Das kommt darauf an.

Schulleiter – Wer wird sowas?

Schulleiter sind Vorgesetzte. Vorgesetzte sind Leute, die man vorgesetzt bekommt. Und das war es dann auch. Diese Personen werden nach einigermaßen undurchsichtigen Kriterien durch die Ministerien und ihre untergeordneten Behörden in ihre Ämter berufen. Meiner Erfahrung nach sind die allermeisten von ihnen absolute Fehlbesetzungen. Mir sind aus 25 Jahren im öffentlichen Schulwesen nur zwei Gegenbeispiele begegnet. Eine war die erste Schulleiterin der Schule an der ich über 20 Jahre Dienst tun „durfte“ und die leider viel zu früh in Pension ging. Dort zu arbeiten war ein Traum. Alles andere an „Führungspersonal“ waren Menschen die zumindest fachlich und was ihre Fähigkeit zur Personalführung betraf hochgradig inkompetent, in einzelnen Fälle sogar verhaltensauffällig, waren. Herr Michels, der Schulleiter an der hier besprochenen Schule, gehört meiner persönlichen Auffassung in diese Kategorie.

Exkurs: Ich gehe davon aus, ohne dafür Belege zu haben, dass es heutzutage bei der Besetzung von Schulleiterposten hauptsächlich auf „Durchsetzungsstärke“ und Systemtreue ankommt, also die Bereitschaft „von oben“ kommende Anordnungen ohne großes Nachfragen willig zu exekutieren. Diese Bereitschaft scheint Grundbedingung zu sein, damit jemand auf den Posten berufen werden kann.

Führen in einem autoritären System

Das politische System in Deutschland wurde in den letzten Jahren ständig autoritärer. Da der Staat das Monopol auf die Schulen innehat, ist es logisch, zu vermuten, dass dieser autoritäre Geist zwangsläufig auch in den Schulen Einzug halten musste. Die von früher bekannte andere Sichtweise, es handele sich bei diesem Personenkreis der Schulleiter um besonders begabte Pädagogen, kann man in die Welt der Märchen verweisen. Ich hatte so ein „Prachtexemplar“ eines auf seinem Posten vollkommen fehlbesetzten Schulleiters vor mir. Und das über viele Jahre. Das ist kein Spaß. Wirklich nicht.

Problematisch wird es, wenn es sich bei diesen Leuten zusätzlich um Menschen mit einer ausgeprägten narzisstischen Persönlichkeitsstruktur handelt. Also um Leute, die versuchen, ihre eigene (durch sie selbst sich zugedachte) Persönlichkeit, also ihre eigene vermeintlich herausragende Performance und ihr absolut anbetungswürdiges Selbst in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Kritisch wird es weiter, wenn der Narzisst dann aber bei seinen „Prestigeprojekten“ (wörtliches Zitat des Herrn Michels) aufgrund seiner Inkompetenz regelmäßig auf die Nase fällt und mit dem eigenen Scheitern regelmäßig ziemlich hart konfrontiert wird. Und wenn man dann noch die Chuzpe hat, als „kleiner Lehrer“ dieses Scheitern zu thematisieren, weil es eben zu erheblichen Nachteilen im täglichen Schulbetrieb führt, dann…. Sie wissen was jetzt kommt: Dann rasten die aus.

Fallbeispiel 1: Schulleiter Michels hält sich für einen Koryphäe in IT. Seine Idee ist es, dass man nun, trotz einer funktionierenden Computeranlage, nun mal wirklich etwas ganz Neues einführen müsse. Das bestehende und gut funktionierende Netz wird gegen ein neues ausgetauscht. Linux ist übrigens ein tolles Betriebssystem. Zumindest, wenn man Ahnung davon hat. Problem: Herr Michels hatte nicht allzuviel Ahnung, was er da installierte.Von daher stand nach einmal den Sommerferien das Schulnetz ganz einfach still. Und zwar komplett. Denn auch der stellvertretende Schulleiter Teichmann (ein GRÜNER, mehr muss man nicht wissen!), der eine Ebene unter Michels stand, hatte ebenfalls recht wenig Sachwissen. Daher ging das Projekt ordentlich schief. Soweit, so schlecht.

Was solche Leute aber nun gar nicht mögen, ist wenn andere, die Ahnung haben, nun anfangen, dumme Fragen zu stellen und sich im Kollegium deutlich vernehmbar darüber echauffieren, dass nun computermäßig „nichts mehr geht“.

Mobben und mobben lassen

Eine Maßnahme gegen solche „destruktiven“ (wörtliches Zitat) Elemente: Man macht ihnen zuerst einfach mal einfach den Unterricht schwerer. Dass das vor allem für die Schüler nachteilig ist, spielt keine Rolle. Wie gesagt, es geht nicht um Pädagogik, es geht um Macht und Prestige. Und das Bedürfnis kann man als Schulleiter vielfältig ausleben.

Beispiel 2: Der für den IT-Unterricht benutzte Fachsaal des vermeintlichen Störers (also ich! 🙂 ) wird beispielsweise unter fadenscheinigen Argumenten „gesperrt“, aber nur für jenen „bösen“ Lehrer (ich!), der sich erdreistet hat, Kritik zu üben, und man unterrichtet fortan in einem Saal, der auf dem technischen Stand von Windows XP stehen geblieben ist. Echt „vintage“, aber einigermaßen unbrauchbar, wenn man Schülern das Programmieren beibringen will und auf eine bestimmte Systemumgebung angewiesen ist. Das wird dann eben nichts. Als Vorwand für den erzwungen Raumwechsel wird übrigens genannt, in der Klasse hätten einige Schüler Druckaufträge auf einem bestimmten Drucker ausgegeben, was sie nicht hätten tun dürfen. Drucker im Netz entsprechend zu konfigurieren, dass derlei nicht passiert, ist übrigens nicht schwer. Wenn man es kann.

Beispiel 3: Gerne benutzt der Schulleiter Michels auch andere Personen aus dem Schulumfeld, um dem missliebigen Untergebenen (also mich!) zu drangsalieren: Da kommt z. B. ein Elternsprecher mit Machtambitionen daher. Ein Herr, der sich ebenfalls sehr, sehr wichtig nimmt. Er lässt verlauten, es bestünde der Eindruck dass der bestimmte Lehrer eine Klassenfahrt als eine „private“ Lustreise („Familienausflug“, wörtlich zitiert) missbrauchen wolle und dass das so natürlich nicht ginge. Denn auch die Ehefrau sei dabei (die, ganz nebenbei, die Klasse ebenfalls unterrichtet) und es bestünde Erklärungsbedarf.

Ergebnis: Anstatt nun den schwerst übergriffigen Elternvertreter nebst dessen jeglicher Rechtsgrundlage entbehrenden Intervention stante pede einfach aus dem Direktoratszimmer zu expedieren (vulgo „rauszuwerfen“) und ihm zu erklären, dass derlei ja nun wirklich nicht in die Zuständigkeit des Elternbeirats falle und dass man sich derartige Unverschämtheiten verbitte, wird dem Herrn (nennen wir ihn Herrn Kirschner) großer Raum gegeben. Insbesondere dadurch, dass der ebenfalls übergriffige Schulleiter sich diese unverschämten Anwürfe zu eigen macht und den Lehrer auffordert eine entsprechende „Stellungnahme“ abzugeben, warum es sich bei der angedachten Klassenfahrt eben nicht um einen „privaten Familienausflug“ handelt. Was man sich heute als Lehrer bieten lassen muss, ist mit „inakzeptabel“ eigentlich nur sehr oberflächlich umrissen.

Die Klassenfahrt fand dann eben nicht statt.

Wer als Schulleiter sich nicht selbst die Hände schmutzig machen will, kann auf willige Hilfstruppen zurückgreifen. Gerade im Beamtenapparat, wo nicht unbedingt Nobelpreisträger Dienst tun, die aber umso beflissener zu Werke gehen (man will schließlich noch „etwas werden“), kann der mobbende Schulleiter auf eine große Riege potenziell williger „Mitstörer“ zurückgreifen, denen er die Arbeit überlassen kann. Er darf sich sicher sein: Der Job wird zuverlässig erledigt.

Der Personalrat (ÖPR) erweist sich hier oft als besonders willig. Sollte er eigentlich doch die Interessen des Kollegiums gegenüber der Schulleitung vertreten, wird diese Aufgabe eben kurzerhand umdefiniert. Denn der Schuldirektor ist allemal nützlicher beim weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter als die lästigen Kollegen, die sowieso nur nerven.

Günstlingswirtschaft

Irgendwann, meistens einige Jahre vor der anstehenden Pensionierung, beginnt der Schulleiter dann seine Nachfolge zu regeln. So wie man das aus der Zeit des Absolutismus oder, in der modernen Form, aus China, Nordkorea, etc. kennt Er platziert nun seine Günstlinge in zentralen Funktionsstellen in der Schule. Kritiker kommen nicht zum Zuge, verhaltenskompatible Personen hingegen werden „angesprochen“, sich zu bewerben. „Die Chemie“ muss stimmen, fachliche Leistung spielt keine Rolle. Alle anderen Interessenten sind übrigens chancenlos. Die Stellenbesetzung ist immer von vornherein klar. Wer was wird, ist seit Jahren vorbestimmt. Die Schulaufsicht arbeitet dabei allem Anschein nach widerspruchslos mit. Manch ein Günstling findet sich, ohne auch nur annähernd qualifiziert zu sein, auf entsprechenden Sprungbrettposten wieder, bevor es ins „Schulleitungsteam“ eingebunden wird.

Beispiel 4: Die Stelle eines „Digitalkoordinators“ wurde durch einen stets sehr dienstbaren Kollegen F. besetzt, der jahrelang als Personalrat nur eines getan hat: Die Schulleitung zu stützen. Der Herr „promovierte“, quasi als Belohnung für seine exorbitante Unterwürfigkeit, zuerst auf diese Koordinatorenstelle und durfte, nach einer mehr als kurzen Schamfrist, dann auf die Konrektorenstelle aufrücken. Ach ja, Informatiker war er natürlich nicht. Dafür aber willig und unkritisch.

Beispiel 5: Der Kollege, der sich durch aktives Dauermobbing hervorgetan hat, benötigt eine gute Schulleiterbewertung, weil er sich auf eine Ausbilderstelle am Seminar beworben hat. Er bekommt sie, hat er doch bewiesen, dass er loyal zum Direktor steht. Die „Karriere“, wenn man das überhaupt so nennen will, läuft wie geschmiert.

 

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten