Herr Dunning-Kruger – Der „Superpädagoge“

Das „Dunning-Kruger“-Phänomen bei Lehrern

Bei allen Menschen weichen Selbst- und Fremdbild voneinander ab. Das ist normal. Dies kann dann in die eine oder andere Richtung gehen. Man bewertet sich entweder zu negativ oder misst sich zu viele positive Eigenschaften zu. Zu der letztgenannten Gruppe gehören die „Dunning-Kruger„-Typen. Bei diesen Zeitgenossen ist folgendes zu beobachten: Ein Mensch, der i. W. hochgradig inkompetent ist, und fast gar nichts richtig kann, hält sich für den Allergrößten und überschätzt sich maßlos selbst.  Er ist nach seiner Sichtweise der „Chef“, obwohl es von den Fähigkeiten her nicht einmal zum Angestellten reicht. Wenn man im Lehrerzimmer so einen Mitmenschen vor sich hat, ist das der tägliche Super-GAU. Diese Typen nerven. Und zwar richtig.

Viele Lehrer sind von ihrer psychischen Grundbefindlichkeit her bereits grundsätzlich verhaltensauffällig. Dies mag mit den täglichen Frustrationen im Beruf zu tun haben, insbesondere mit der mangelnden Anerkennung durch andere. Das Problem wird verschärft, wenn bereits vorher vorhandene Minderwertigkeitsgefühle mit in den Beruf hinein gebracht werden, z. B. weil sie durch die eigene Erziehung im Elternhaus gesetzt wurden. Wenn dann ein die Persönlichkeit stabilisierendes Merkmal oder eine Freizeitaktivität, durch die man wirklich Anerkennung erreichen kann, fehlt, so fehlt es ebenfalls am entsprechenden Gegengewicht und die Person gleitet ab in ein tendenziell negatives Selbstbild. Wie kommt man als Betroffener da wieder heraus?

Eine, vielleicht DIE, Lösung für den nicht gerade „top performenden“ Menschen ist die Ausbildung eines ausgeprägten „Dunning-Kruger-Effektes“. Man kompensiert sein tendenziell negatives Selbstbild und macht sich (zumindest in der eigenen Selbstwahrnehmung) zu wesentlich mehr als man in Wirklichkeit ist. Die eigene Selbstüberhöhung als „Superlehrer“ ist hier ein oft zu beobachtendes Begleitphänomen dieser Problematik.

Guten Morgen, Herr Dunning-Kruger!

Kritisch wird es, wenn ein Lehrer sich im Rahmen dieser Selbstüberhöhung als hochperformant ansieht, in Wirklichkeit und in der Fremdwahrnehmung hingegen ein ganz niederperformantes Bild („Low Performer“) abgibt. Hinzu kommt, dass viele psychisch abweichende Lehrer den Beruf auch deshalb gewählt haben, weil sie dort endlich mal etwas „zu sagen“ haben. Und zwar sowohl was den Unterrichtsstoff (man ist ja schließlich „Experte“) als auch was die Einflussnahme auf die ihnen anvertrauten Schüler, also die Erziehungsarbeit, betrifft. Es sind „autoritäre Charaktere“, wie sie u. a. von Erich Fromm und Th. W. Adorno definiert wurden. Wenn „Dunning-Kruger“ und ein autoritärer Charakter zusammentreffen, wird es hochproblematisch.

Dieser Typus Mensch ist ständig darum bemüht, sein schillerndes und hochglänzendes Selbstbild für sich zu stabilisieren, kommt es doch im Berufsalltag immer wieder zu Situationen, wo er sich eigentlich klar machen müsste, dass er nicht der Supertyp ist, der er gerne wäre.

„Feuriger Salsa“ bei dem die Füße einschlafen

Ganz unschön wird es beispielsweise, wenn Herr Dunning-Kruger die große Bühne sucht. Z. B. bei der Abschlussfeier eines Jahrgangs. Auf der Bühne soll, unter tätiger Leitung von Herrn Dunning-Kruger, eine „feurige Salsa-Vorführung“ stattfinden. Schüler tanzen paarweise zu ansatzweise südamerikanischer Musik. Wer in einer der vorderen Reihen sitzt, kann bei genauer Beobachtung tatsächlich erkennen, dass sich die Schülerpaare zur Musik bewegen. Ab der 10. Reihe im Auditorium dürfte dies indes nicht mehr beobachtbar gewesen sein, der Sehwinkel dort ist einfach zu klein. Ein Opernglas hätte hier eventuell geholfen. Dieser „Tanz“ war in etwa so „feurig“ wie ein Eimer kaltes Wasser. Aber Herr Dunning-Kruger fand es wohl sehr gelungen.

Weiteres Beispiel gefällig? Schüler beschweren sich über schlechten Unterricht von Herrn „DK“, beklagen er „könne nichts erklären“, fühlen sich von ihm beleidigt (z. B. wenn er ihnen gegenüber äußert, sie seien für eine höhere Bildung nicht geeignet oder schlicht zu dumm für diese Schule), sind distanziert oder lästern in Internetforen über den vermeintlichen Superpädagogen, was das Zeug hält. Und das oft unter Erwähnung doch einigermaßen sachlicher Argumente. Ganz so doof, wie der „Superlehrer“ meint, sind die jungen Leute dann doch nicht.

Das alles mag ja noch erheiternd sein, lebensgefährlich wird es aber dann, wenn Herr Dunning-Kruger, quasi im Nebenjob, an der Schule Elektrogeräte „repariert“ und dafür auch eine Stunde Deputatsentlastung erhält. Aber er „kann“ das, denn schließlich hat er (im Nebenfach?) Physik studiert. Aber er ist eben kein Elektriker. Was dabei herauskommt? Sehen sie selbst…

(Kleiner Hinweis, falls der Ex-Kollege hier mitliest: ISOLIERBAND IST KEINE ZUGENTLASTUNG UND TAUGT AUCH ALS KNICKSCHUTZ NICHT! Bei solchen Defekten hilft nur eines: Den Stecker abschneiden und einen neuen montieren! Wenn man es denn hinbekommt.) Wenn man offensichtliche Stümper an solche Arbeiten heranlässt, wird es gefährlich! Lebensgefährlich.

„Aufstiegssucht“

Diese bizarre Ausprägung der Spezies „Lehrer“ sucht oft krankhaft den Aufstieg. Wenn ihm dieser akademisch aufgrund seiner kognitiven nicht gerade als „Höchstbegabung“ zu definierenden geistigen Talente verwehrt bleibt, so versucht er zumindest innerhalb der Schule oder der Beamtenhierarchie die Karriereleiter zu erklimmen. Gut angepasst ist er ja und er weiß daher, was von „der Obrigkeit“ gewünscht ist. Und um als Beamter aufzusteigen bedarf es keiner herausragenden geistigen Fähigkeiten. Die Bereitschaft, sich unterzuordnen und brav mitzumachen reicht vollkommen aus. Insofern ist der Beamtenstatus die ideale Berufsumgebung für solche sich ständig selbst überhöhenden Mitmenschen mit Performanzdefizit.

Oftmals schaffen es diese Leute dann auf einen Konrektorenposten, in die Personalvertretung oder sie werden Ausbilder an einem Studienseminar. Die Vorstufe in Rheinland-Pfalz nennt sich „Koordinatorenstelle“. Das ist so etwas wie „Fachbeauftragter für Dingsbums“.

Es sind, summa summarum, alles keine intellektuell besonders anspruchsvollen Tätigkeiten, die da angestrebt werden, aber der „Superlehrer“ sucht ja nur Prestige. Und Prestige ist im durch eine klare hierarchische Stufung geprägten Beamtenunwesen bereits durch einen weiteren Titel (im Behördendeutsch „Amtsbezeichnung“ genannt) erreicht. Die höhere Amtsbezeichnung ist das Lebensziel des Dunning-Kruger-Lehrers.

Amtsbezeichnungen sind nämlich Statussymbole in der Beamtenwelt. Und die sind sehr wichtig. Gerade für den kleinen Beamten, der außer seiner Besoldungsstufe und seiner Amtsbezeichnung nicht viel hat, was er vorweisen kann.

Je mehr Attribute aus dem Beamtenwesen man hat, desto wichtiger ist man. Zeig mir Deine Dienststellen und ich sage Dir, wie wichtig Du bist. Und dieser Mann, der so extensiv unterzeichnet, ist wirklich absolut wichtig. Klare Sache! Was dem Geschäftsmann oder Orthopäden sein Porsche, ist dem kleinen Lehrerbeamten seine Sammlung an Dienststellen. „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“ in der ultraspießigen Version des A13-Männchens.

Die tägliche Show des „Superlehrers“

Diese vermeintlichen „Aufstiege“ in der Beamtenhierarchie werden dann in der Öffentlichkeit des Lehrerzimmers entsprechend zelebriert und das kleine Lehrerlein heischt lechzend nach Anerkennung. So läuft er manisch mit großen, weit ausholenden Schritten im Lehrerzimmer auf und ab, vergewissert sich beständig des Zuspruchs der Kollegen, ist immer für einen kleinen „Talk“ zwischendurch zu haben, und seien es nur ein oder zwei eingeworfene Sätze, nach deren kompaktem Vortrag er zum nächsten Tisch im Lehrerzimmer weiterzieht (beständig zwischen Kaffeeecke und eigenem Tisch oszillierend) um ohne Unterlass seine skurrile Selbstpräsentation fortzuführen. Er tanzt an ein durchgeknalltes Rumpelstilzchen erinnernd durch die Pause und fabuliert dabei lautstark dabei über seine enorm wichtige, schwierige, verantwortungsvolle und belastende Tätigkeit beispielsweise als Seminarausbilder. „Warum macht er es dann?!“, ist die Frage, die sich logischerweise gleich anschließt. Mit „Prestigesucht“ hatten wir die aber schon beantwortet. Alles in allem: Ganz großes Kino, was einem da geboten wird!

Der „Superlehrer“ als Supermobber

Solche Leute, deren Charakter als „autoritär-frustiert“ bezeichnet werden kann, werden extrem aggressiv, wenn sie erkennen, dass andere einfach besser sind als sie selbst. Noch aggressiver werden sie, wenn andere sie enttarnen. Und dann rasten sie, man kann es sich schon denken, aus.

Zeigt man diesen Herrschaften, dass man sie erstens in ihrer Kleingeistigkeit durchschaut hat und gibt sie zweitens gelegentlich sogar der karikierend einer gewissen Lächerlichkeit preis, darf man sich rühmen, einen wirklichen Feind gefunden zu haben. Diese Leute vertragen Kritik in keiner Weise, sind vollkommen humorlos und jeder vermeintliche oder reale Angriff, wird als Anschlag auf das eigene (zerbrechliche) Selbst definiert. Der „tollste aller Pädagogen“ wird fortan nichts mehr unversucht lassen, um dem Ketzer massiv zu schaden.

Ein wenig Denunziation geht immer!

Sehr beliebt sind dabei Versuche, den neu gewonnen Feind bei der Schulleitung anzuschwärzen. Dies hat zwei Vorteile, insbesondere wenn die Schulleitung aus einer ebenfalls vorhandenen Verhaltensabweichung heraus die Mobbingzielscheibe auch nicht leiden kann und im Grunde es befürwortet, dass der Mobber dem missliebigen Kollegen schaden will. Dann verbrüdern sich die beiden in ihrer Niedertracht vereinten Zeitgenossen und und eröffnen sich so wesentlich breitere Handlungsspielräume. In moderner Sprache nennt man das einen „Synergieeffekt“. In diesem Fall allerdings einen pathologischen.

Eine dieser Handlungsoptionen sieht dann z. B. so aus: Der Mobber veranstaltet eine Riesenunordnung im Fachsaal, lässt seinen ganzen Krempel an allen möglichen Orten herumliegen und „meldet“ dies in die Chefetage. Der Schulleiter nutzt die Situation aus (soweit reicht es geistig dann doch!), setzt stante pede ein Schreiben auf, erteilt eine „dienstliche Anweisung“ und setzt eine Frist, die angebliche Sauerei zu beseitigen. Dieser Frist kommt man natürlich nicht nach sondern protestiert schriftlich und in aller Schärfe. Das war es erstmal gewesen.

Allerdings kostet der ganze auf Kleinkinderniveau befindliche Blödsinn eine nicht ganz unerhebliche Menge Zeit. Zeit, die man eigentlich sinnvoller verbringen könnte. Aber in einem hierachischen Beamtensystem hat der Schwachsinn eben Methode, und die ist einzuhalten. Warum ich 8 Semester studiert, 2 Staatsexamen abgelegt und über 30 Jahre Erfahrung in verschiedensten Berufen und Bildungseinrichtungen gesammelt habe, nur um mich irgendwann wie ein Idiot behandeln zu lassen, auf diese Erklärung warte ich heute noch. Ein „dafür sind sie eben irgendwann Beamter geworden“ ist mir aber leider zu dumm. Das akzeptiere ich nicht.

Ab ins Abseits! – Ausgrenzung als probates Mobbingmittel

Liest man Literatur zum Thema „Mobbing am Arbeitsplatz“, findet man immer wieder ein bestimmtes Verhaltensmuster, welches auch der psychisch deviante Kollege an den Tag legt, wenn er mal wieder seinem Hobby, dem Mobbing, frönt. Und das ist der Versuch, seine Zielscheibe auszugrenzen. Lehrer sind ja par definitionem „soziale Persönlichkeiten“ aber man kann schon mal eine Ausnahme machen. Selbst ist der Mann ja wie bereits erwähnt nicht unbedingt der intellektuelle Spitzenperformer, trotzdem beherrscht er es doch vortrefflich, andere für seine Ziele einzuspannen. Und das geht unter anderem so:

In einem gewöhnlichen Lehrerzimmer sitzen Lehrer in aller Regel an Gruppentischen. Jetzt geht es zuerst darum, die Nebensitzer der Mobbingzielscheibe sozusagen zu „dislozieren“, also einem anderen Ort im Lehrerbunker zu verfrachten. Und zwar, wenn irgendwie möglich, so, dass die Zielperson, gegen die sich diese selten dämliche Aktion richtet, bitteschön erstmal nichts merkt.

Man kommt also eines morgens mal wieder zur Arbeit und merkt, dass Kollege X plötzlich woanders sitzt. Herr X ist aber selbst so ein „halbes Hemd“ ohne „Standing“ und schaut peinlich berührt zur Seite und vermeidet jeden Kontakt. Was aber auch nicht weiter schlimm ist. Dass Herr X jetzt beim Chefmobber am Tisch Platz nehmen darf, adelt ihn zwar, aber dass er sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlt, sieht man ihm schon an. Das Mitleid hält sich trotzdem in Grenzen. In diesem Land darf sich jeder zum Brot machen wie er will, man nennt das „freie Entfaltung der Persönlichkeit“.

Nächster Schritt: Nachdem alle anderen entfernt sind, nutzt der „Superlehrer“ die Gelegenheit, schleicht sich nach dem Nachmittagsunterricht in das Lehrerzimmer und entfernt nun unter tätiger Mithilfe einiger anderer Mitläufer die „überflüssig“ gewordenen Tische. Ab hier sind wir im Bereich ganz massiven Mobbings angelangt. Streng nach Lehrbuch wird die Zielperson zum Außenseiter gemacht, zur Unperson degradiert und öffentlich plakativ an den „Katzentisch“ (wörtliches Zitat) gesetzt. In der Rechtssprache nennt man das „Prangerwirkung“ und es ist rechtlich angreifbar.

Der psychisch auffällige Kollege namens „Herr Dunning-Kruger“ wählt zusätzlich zum anderen Repertoire gerne das Mittel der Denunziation, indem er sich der „Obrigkeit“ bedient, um andere fertigmachen zu wollen. Daneben sucht er sich Verbündete, um die Zielperson auszugrenzen, an den Pranger zu stellen und sie so vor allen als „Persona non grata“ darzustellen. Denn oft haben Mobber Mittäter. Diese machen mit, weil sie die Zielscheibe gegen die sich das Mobbing akut (oder chronisch!) richtet entweder hassen oder weil sie keine Lust haben, ebenfalls in den Fokus des notorisch aggressiven Mobbers zu geraten.

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